Märchen-Interpretationen von Alice Dassel
Märchen-Interpretationen - Bärenhäter

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ISBN: 978-3-7357-2916-3 Preis: 12,- €

Sterntaler - Leseprobe

…Die idealisierte Märchenfigur hat Symbolcharakter. Mit ihrer kindlich reinen Seele und ihrer Selbstlosigkeit hat sie im Dienst am Nächsten ihren Seelenauftrag erfüllt und die himmlischen Taler verdient. Insofern mag sie uns ein Vorbild sein. Dennoch soll sie uns nicht unbedingt dazu veranlassen, uns soweit zu verausgaben, dass wir an den Rand unserer Existenz geraten und dann auf göttliche Hilfe warten.
Selbst Martin Luther soll gesagt haben: "Wer kein Geld hat, dem hilft nicht, dass er fromm ist." Trotzdem ist es sicher gut, Gottvertrauen zu haben. Selbst bei aller Bescheidenheit kann der Mensch nicht ohne Versorgung und Besitz auskommen. Wem wäre damit geholfen, vor lauter Selbstlosigkeit in große Armut oder gar in Obdachlosigkeit zu geraten?
Das Wort vom Sterntalerregen ist geradezu sprichwörtlich geworden. Viele Menschen träumen vom schnellen Geld. Sie wünschen sich sehnlichst, ganz ohne Anstrengung oder eigenen Einsatz reich zu werden. Denn materieller Wohlstand scheint ihnen der Inbegriff eines glücklichen Lebens zu sein. Deshalb nehmen sie an Glücksspielen, Wetten, Preisausschreiben etc. teil, weil sie hoffen, durch beachtliche Gewinne schlagartig von allen finanziellen Sorgen frei zu sein und von da an ein unbeschwertes Leben führen zu können. Meistens bleiben diese Vorstellungen Wunschträume. Die wenigen, die mit viel Glück auf diese Weise reich geworden sind, haben oft in kurzer Zeit alles Geld oder vieles davon wieder verloren nach dem Motto "Wie gewonnen, so zerronnen". Oder wenn sie es sich bewahren, vielleicht sogar noch mehren konnten, stellten sie fest, dass Geld und Glück nicht identisch sind. Aber Geld kann sehr wohl einen gewissen Anteil des Glücks ausmachen.
Geld an sich ist weder gut noch böse. Es ist im Wesentlichen ein Zahlungsmittel. Geld und Waren sind gegeneinander austauschbar. Normalerweise muss Geld für den Lebensunterhalt und zur Befriedigung der materiellen Bedürfnisse erarbeitet werden. Dann repräsentiert es den Gegenwert für Berufstätigkeit, gute Ideen, schöpferische Impulse und den erbrachten Einsatz.
Wenn das Streben nach Geld ungebremst ist, wenn es vollkommen vom Menschen Besitz ergreift und in Gier ausartet, dann verhält es sich ähnlich wie beim Spieler mit seiner Spielsucht und nimmt bereits krankhafte Züge an, oder wenn Geld vor lauter Geiz gesammelt und gehortet wird, dann erfüllt es nur noch einen Selbstzweck.
Geld sollte nämlich im Umlauf bleiben. Volkswirtschaftlich ist es gewollt, dass die Menschen durch Werbung und verlockende Angebote zu ständig neuen Geldausgaben "verführt" werden, gleichgültig ob die Waren für den Einzelnen notwendig sind oder ob sie seine Lebensqualität tatsächlich erhöhen.
Im Extremfall lassen sich auf diese Weise so viele Wünsche lostreten, dass sie nicht mehr finanzierbar sind und manch einer in eine Überschuldung gerät. Grundsätzlich geht vom Geld eine große Versuchung für den Menschen aus. Denn wenn das menschliche Handeln von Gewinnmaximierung und Profitgier bestimmt wird, dann sind die bleibenden Werte in ein Schattendasein gedrängt. Dort müssen wir sie herausholen und wieder in unser Bewusstsein aufnehmen. Dazu ist eine Phase des Innehaltens, der Gewissensprüfung und des Nachdenkens vonnöten.
In dem Zusammenhang vermag uns das Sterntalermädchen als Kontrastbild dienen. Märchen sind als symbolische Geschichten dazu geeignet, sich von ihnen inspirieren zu lassen. Sie bilden nicht die Realität ab, aber sie können uns in ihrer Beispielhaftigkeit Orientierung geben. Selbst wenn das Märchengeschehen auf den ersten Blick weit entfernt von unserer alltäglichen Realität zu sein scheint, so kann uns die idealisierte Märchenfigur zu einer kritischen Auseinandersetzung mit unserer Einstellung zum Geld anregen, uns zu einem besonnenen Umgang mit ihm bewegen und zu einem maßvollen Konsumverhalten führen.
Sie erinnert uns daran, unser Herz nicht zu sehr an materielle Güter, an Luxus und Wohlleben zu hängen, weil wir dann in Gefahr geraten, uns davon abhängig zu machen.
Andererseits müssen wir auch nicht auf alle angenehmen Besitztümer verzichten, weil wir sonst zu viel von unserer Lebensfreude verlören. Selbst das Sterntalerkind behält am Ende des Märchens seine himmlischen Taler. (Ende der Leseprobe)
Kontakt zur Autorin per Fax: (0511) 663598  oder eMail: Alice.Dassel@gmx.de               Impressum